fnb eJournal
03/26
Inhaltsverzeichnis

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Leserinnen und Leser,

jede Profession lebt von ihrem Spezialwissen und ihren besonderen Fertigkeiten – also von Fähigkeiten, die keine andere Berufsgruppe in gleicher Weise übernehmen kann. Auch wenn technologische Entwicklungen und Automatisierung viele Arbeitsbereiche verändern, bleiben gerade diese spezialisierten Kompetenzen entscheidend, um fachlich sichtbar, wirksam und unverzichtbar zu bleiben.

Auch in Pflegeheimen werden bereits humanoide Kommunikationsroboter wie Navel (sozialer Roboter) eingesetzt, die ältere Menschen im Alltag begleiten und mit ihnen in Interaktion treten können. Wer meint, dass sich menschliche Zuwendung, Beziehung und Begleitung damit darstellen lassen, übersieht die Realität: Technik kann zwar unterstützen, aber sie ersetzt nicht die pflegefachliche Präsenz, das professionelle Urteil und die zwischenmenschliche Beziehung. Gerade vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage, wie wir unter den Bedingungen von Personalengpässen, Rationalisierungsdruck und strukturellen Defiziten die unverzichtbare Bedeutung der Pflege und ihres spezifischen Fachwissens sichtbar machen können.

  • navel

Abb. 2-4

Was auf den ersten Blick bedrohlich wirkt, kann zugleich eine Chance darstellen. Gerade in der Dialyse wird deutlich, dass Routine allein nicht ausreicht. Die Versorgung nierenkranker Menschen verlangt Fachlichkeit, Aufmerksamkeit, Verantwortung und ein hohes Maß an pflegerischer Kompetenz. Die Situation in Deutschland ist im internationalen Vergleich angespannt. Unter den Bedingungen von Personalengpässen, hoher Arbeitsdichte und zunehmender Ökonomisierung bleibt für eine individuelle pflegerische Versorgung häufig zu wenig Zeit. Dies erhöht das Risiko von Versorgungsdefiziten, Behandlungsfehlern und langfristigen Komplikationen und macht die besondere Bedeutung qualifizierter nephrologischer Pflege umso deutlicher.

Genau hierin liegt auch die Chance der Heimdialyse. Kein anderer Versorgungsbereich ist so stark auf Schulung, Begleitung, Risikoeinschätzung und patientennahe Unterstützung angewiesen wie die Heimdialyse. Die nephrologische Fachpflege bringt hierfür das notwendige Wissen, die methodische Kompetenz und die praktische Erfahrung mit. Deshalb erscheint die Heimdialyse nicht nur als technische Therapieform, sondern als ein hoch anspruchsvolles, pflegeabhängiges Versorgungsmodell mit großem Entwicklungspotenzial.

In dieser Ausgabe widmen wir uns deshalb schwerpunktmäßig der Heimdialyse. Die vorliegende Übersichtsarbeit beleuchtet internationale Studien und Fachverbände und zeigt, welche Rolle Patientenedukation, Selbstversorgung und pflegerische Expertise für eine sichere und erfolgreiche Heimdialyse spielen. Sie macht deutlich: Heimdialyse ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern vor allem ein Lern-, Beziehungs- und Unterstützungsprozess, der ohne Pflege nicht nachhaltig gelingen kann.

Ein weiterer Schwerpunkt dieser Ausgabe ist der zweite Teil zum Thema Depression. Wir setzten die begonnene Auseinandersetzung fort und vertiefen die psychosozialen Herausforderungen, mit denen viele Menschen mit chronischer Nierenerkrankung leben. Auch dieses Thema verdeutlicht, wie wichtig es ist, medizinische, pflegerische und psychische Aspekte nicht getrennt, sondern im Zusammenhang zu betrachten.

Mit unserer neuen Rubrik „Spezialwissen in der Hämodialyse“ greifen wir einen Bereich auf, der für die nephrologische Pflege von besonderer Bedeutung ist. In dieser Ausgabe stehen intradialytische Vorgänge im Mittelpunkt – ein Feld, das im klinischen Alltag oft selbstverständlich erscheint, in Wirklichkeit jedoch hohe Fachkompetenz und ein genaues Verständnis physiologischer Prozesse erfordert.

Abschließend stellen wir Ihnen das evidenzbasierte Lehrbuch „Principles of Nursing in Kidney Care“ vor, das den gesamten Versorgungspfad der nephrologischen Pflege abbildet: von den Grundlagen der Nierenfunktion über chronische und akute Nierenerkrankungen, Dialyseverfahren und Gefäßzugänge bis hin zu Infektionsprävention, Transplantation, konservativer und palliativer Versorgung sowie psychosozialen Aspekten und Patientenedukation. Die Publikation richtet sich an Pflegefachpersonen, die ihr Wissen vertiefen oder aktualisieren möchten, und versteht Pflege ausdrücklich als spezialisierte, patientenzentrierte und sicherheitsrelevante Profession. Damit unterstreicht das Buch eindrücklich die zentrale Rolle der nephrologischen Pflege in einer hochkomplexen Versorgung.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen und viele anregende Einblicke.

Ihr
Thomas Fernsebner
Redaktionelle Leitung


Bildnachweis

Abb. 1: KI-generiert über Canva.com
Abb. 2: Sozial-Roboter Navel, https://www.ev-heimstiftung.de/innovationen/sozialer-roboter-navel/
Abb. 3: Sozial-Roboter Alpha Mini, https://www.informationsethik.net/soziale-roboter-und-ihr-sprung-in-die-zukunft/
Abb. 4: Pflege-Roboter: https://www.ccnull.de/fotograf/marco-verch-1/

Videohinweis: Hier geht es zum Video des Sozialer Roboters "Navel"

Inhaltsverzeichnis fnb eJournal 03/26
  • Cover der Ausgabe
  • thomas fernsebner
    Editorial
  • Selbstversorgung in der Heimdialyse
  • Kommunikation bei Depressionen im Dialysealltag
  • Dialyse Spezialwissen: Intradialytische Prozesse
  • Buchvorstellung: Principles of Nursing in Kidney Care
  • Redaktionelles Team
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